Jugend

Sich nur einem Gebiet zu widmen bereitete Hans Helfritz (1902-1995) schon früh in seinem Leben Schwierigkeiten. In Greifswald und Berlin aufgewachsen (das Foto zeigt ihn mit seinen Eltern und der Schwester Marlene), musste er nach dem Abitur auf Drängen seiner Eltern eine Banklehre beginnen.

„Ich träumte nur noch von Nummern. Daran bin ich fast zugrunde gegangen“, notierte Hans Helfritz 1990 in seiner Autobiographie Neugier trieb mich um die Welt. Er brach die Lehre nach kurzer Zeit wieder ab und durfte in Berlin ein Musikstudium beginnen, das er mit verschiedenen Jobs selbst finanzierte. Da die Familie nicht vermögend war, war Helfritz gezwungen es mit verschiedenen Jobs selbst zu finanzieren.

Studium

Von 1926 bis 1929 studierte Hans Helfritz Kontrabass und Komposition an der Hochschule für Musik in Berlin, unter anderem bei Paul Hindemith, und vergleichende Musikwissenschaft bei Prof. Erich von Hornbostel.

Daneben entwickelte er bereits eine rege vielfältige Tätigkeit, bei der er – so wie in seinem späteren Leben – persönliche Interessen mit Arbeit zu verbinden verstand. Er war Stummfilmbegleiter im Kino und verdiente sich auch als Statist in der Staatsoper seinen Lebensunterhalt. Die Arbeit als Korrepetitor im Tanzstudio der Vera Skoronel und Berte Trümpy führte zu ersten Kompositionsaufträgen, wie die 1930 entstandene Ballettmusik Der Kreuzzug der Maschinen (verschollen).

Ein erster Erfolg war 1930 die Uraufführung des Konzertes für Cembalo mit kleinem Orchester beim Musikfestival in Bad Pyrmont.

Die erste große Forschungsreise in den Orient 1930 gab dem zukünftigen Leben von Helfritz aber eine vollkommen neue Wende.

Erste Reisen

Seit seiner Rückkehr aus aus dem Vorderen Orient (1930) war die Reiseleidenschaft von Hans Helfritz geweckt. Er brachte von dort Fotos und Tonaufnahmen zurück und veröffentlichte ein erstes Buch.

Seine wichtigste Forschungsreise unternahm er nach Südarabien. Auf Anregung von Prof. von Hornbostel befand sich Helfritz dreimal im Hadramaut und dem damaligen Königreich Jemen (1931-35), wo er als Erster Beduinengesänge aufzeichnete. Ebenso gelang es ihm als erster Europäer in die sagenumwobene und schwer bewachte Stadt Shabwa zu gelangen, was ihm internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Wieder veröffentlichte er. Neben Büchern und Fotos veröffentlichte er diesmal auch zwei Dokumentarfilme.

Zwischen 1935 und 1939 war Hans Helfritz fast immer unterwegs, unter anderem im Fernen Osten und auf dem amerikanischen Kontinent. Er fürchtete im Nazi-Deutschland als Homosexueller denunziert und verfolgt zu werden.

Bei Kriegsausbruch 1939 befand er sich in Bolivien, um für ein neues Buch zu recherchieren. Er kehrte nicht nach Deutschland zurück und ging ins Exil nach Chile.

Exil

Im Exil in Chile musste sich Hans Helfritz zunächst als Postkartenfotograf durchschlagen. Aber schon bald erhielt er Angebote als Fotograf und Kameramann an wissenschaftlichen Expeditionen teilzunehmen. Er bereiste das über 4000 km lange Land Chile bis in die Antarktis und gelangte auch auf die weit entfernte Osterinsel. Mehrere Bücher mit seinen Fotos erschienen bald nach dem Krieg wieder in Deutschland.

In Santiago, vor allem während des zweiten Weltkrieges, lernte Hans Helfritz viele bekannte Musiker und Dirigenten kennen. Darunter den Pianisten Walter Gieseking und den Dirigenten Hermann Scherchen. Die zweite intensive Schaffensperiode als Komponist begann. Vor allem nachdem er 1948 chilenischer Staatsbürger geworden war, konnte Helfritz erstmals an den nationalen Musikwettbewerben teilnehmen. Auf Anhieb errang er mit dem Konzert für Tenorsaxophon und Orchester den ersten Preis.

Nach dem 2. Weltkrieg reiste Hans Helfritz wieder nach Deutschland, wo er unter anderem Vorträge über Südamerika hielt. Bis zu seiner Rückkehr 1959 lebte er weiterhin in Santiago de Chile.

Rückkehr

Auf Grund der sich verändernden politischen und ökonomischen Lage Chiles kehrte Hans Helfritz 1959 endgültig nach Europa zurück und ließ sich auf der Baleareninsel Ibiza nieder.

Da ihm der Anschluss an die deutsche Musikwelt nicht mehr gelang, konzentrierte er sich mehr auf seine Reisetätigkeit, Bücher und Vorträge und komponierte nur noch gelegentlich.

Die 1960er und 70er Jahre blieben intensive Reisejahre, wobei wieder Neugier mit Arbeit verbunden wurde. Seine nach dem Krieg begonnene Tätigkeit als Reiseleiter nutzte er für Buchrecherchen. Reiseführer über Indonesien, Mexiko und Äthiopien entstanden. Als er in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren mehrere Male Afrika bereiste, brachte er auch von dort eindrucksvolle Bilder und einen Reisebericht zurück (Schwarze Ritter. Zwischen Niger und Tschad, 1958).

Seinen verschiedenen Interessen ging Hans Helfritz bis ins hohe Alter nach.

Alter

Nachdem 1990 seine Autobiographie Neugier trieb mich um die Welt erschienen war, in der er anekdotenreich seine Lebensgeschichte niedergeschrieben hatte, entstanden drei Dokumentarfilme über Hans Helfritz, darunter einer zusammen mit dem amerikanischen Schriftsteller und Komponisten Paul Bowles. Helfritz reiste dafür nach Marokko. Noch als 92-jähriger suchte er die Länder Guatemala, Chile und Kalifornien auf.

Als 1995 bei einer Feier in der Berliner Akademie der Künste das Hans-Helfritz-Archiv in Abwesenheit des Komponisten eingeweiht wurde, lag dieser bereits todkrank in einem Krankenhaus in Duisburg. Nur einen Tag später, am 21. Oktober 1995, starb er dort 93-jährig. Seine Urne wurde in Sant Agustí auf Ibiza beigesetzt (Februar 1996).

„Wer nicht neugierig bleibt, der versagt viel früher und wird dann auch keine Lust mehr am Leben haben. Neugier muss man bis zum Schluss haben.“